Auf http://windows7sins.org/ wird von der Free Software Foundation (FSF) eine Kampagne gegen proprietäre Software im allgemeinen und gegen Windows im speziellen betrieben. Ich finde es zwar immer gut, wenn man betont dass es neben Windows noch etwas anderes gibt. Meiner Meinung nach sollte die FSF sich aber eher konstruktiv betätigen. Was sie macht erweckt den Eindruck sie favorisieren die Idee eine Monokultur auf Linuxbasis. Dies möchte ich im folgenden erläutern in dem ich ihre Argumente gegen Windows kommentiere:
1. Poisoning education: Dies FSF behauptet dass Microsoft sich in Ausbildungseinrichtungen breit macht. Damit hat sie auch recht, denn Microsoft sieht in dem Schüler von heute einen Kunden von morgen. Die Methoden sollten kritisiert werden, wenn es um Korruption geht, aber das ist dann ein grundsätzliches Problem und nicht eines von Windows im Schulbetrieb. Schlimmer fände ich es wenn Microsoft das nicht tun würde. Dann hätten die Schüler aus kostengründen nicht die Möglichkeit sich auch(!) mit Windows als Betriebssystem zu befassen, wobei es in der Wirtschaft als Desktopbetriebssystem ein Quasi-Monopol gibt.
Die FSF täte gut daran, Linux als zusätzliche Alternative zu Windows zu bewerben. Alternativ könnte sie die daran arbeiten die recht hohe Hürde für Linux als Alternativsystem für junge und nicht technik-affine Leute zu senken.
2. Invading privacy: Die FSF behauptet Microsoft würde das Windows Genuine Advantage Programm missbrauchen um Daten auf unseren Festplatten auszuspähen. Laut Microsoft werden in der Tat Daten des PCs übertragen. Dabei handelt es sich um Einstellungen von Windows, Seriennummern und Versionsnummern von Hardware. Dies widerspricht dem Eindruck, Microsoft würde sämtliche Daten unserer Festplatte scannen.
Die FSF sollte statt dessen darauf hinweisen, welche Daten gesammelt werden und dass auch dies ein Teil der Privatsphäre eines jeden Computerbesitzer ist/sein könnte. Als Pirat möchte ich betonen, dass die Praxis von Microsoft aus Datenschutzrechtlichen Gründen bedenklich ist. Die FSF sollte darauf hinarbeiten, dass die ein unabhängiges Kontrollgremium darüber wacht, dass keine unrechtmäßigen Daten erhoben werden.
3. Monopoly behavior: Die FSF kritisiert, dass Microsoft die Hersteller dazu drängt Windows auf ihren Geräten zu installieren. Das ist möglicherweise aus kartellrechtlichen Punkten gesehen gesetzeswidrig. Falls nicht, dann muss man dazu sagen, dass auch die Hersteller kritisiert werden müssen die auf solche Verträge eingehen und auch die Käufer die solche Systeme kaufen. Andererseits gibt es zum Beispiel auch keinen Mac mit Linux sondern man erhält immer Mac OS dazu geliefert.
4. Lock-in: Die FSF kritisiert, das Microsoft den Support für alte Produkte einstellt und den User damit dazu nötigt sich neue Versionen und neue Hardware zu kaufen. Ich vermute die FSF würde sich also auch darüber aufregen, dass Daimler für ihre 100 Jahre alten Wagen keine Erstatzteile mehr anbieten. Das ist der Lauf der Zeit, gerade als FSF sollte man Neuentwicklungen begrüßen. Darüberhinaus laufen ältere PCs mit Windows 98 noch hervorragend. Problematisch sind natürlich Sicherheitsaspekte, aber auch Autos hatten ursprünglich weder Airbag noch Gurt. Versucht auch mal auf einem vergleichbaren PC eine aktuelle Linuxdistribution mit aktueller Software laufen zu lassen. Das ist genauso lahmarschig wie Vista auf einem Pentium 100.
5. Abusing standards: Die FSF kritisiert dass Microsoft Standards missbraucht. Willkommen in der freien Wirtschaft. Microsoft beugt sich nichts destotrotz, unwillig aber langsam dem Druck der neuen offenen Formate. Natürlich versuchen sie ihren Wettbewerbsvorteil zu halten in dem sie neue Formate nicht von Beginn an unterstützen. Wirklich vorwerfen kann man ihnen das nicht. Sicherlich gibt es Nachteile die sich daraus ergeben, die sind aber für Anwender eher unsichtbar. Der Anwender möchte nur ein Dokument öffnen können was er zuvor abgespeichert hat. Neue Formate können mit kostenfreien Ansichtsprogrammen zumindest angesehen werden (etwa Word Viewer).
6. Enforcing Digital Restrictions Management (DRM): Die FSF kritisiert zu recht, dass Microsoft auf die Anfrage von NBC verhinderte dass man mit dem Window Media Center eine Aufzeichnung von bestimmten Sendungen anfertigen konnte. Leider hält diese Idee gerade Einzug in den Fernsehstandard HD+, dem Nachfolger von HDTV. Microsoft hätte sicherlich mehr für den Kunden herausholen können. Andererseits wer benutzt Windows schon zum Fernsehen? Es gibt auch andere Programme mit denen man entsprechende Sendungen empfangen und aufzeichnen kann.
7. Threatening user security: Die FSF wirft Windows vor viele Sicherheitslücken zu haben. Damit haben sie sicher nicht unrecht - aber Vista und das neue Windows 7 sollen hier erheblich besser geworden sein. Für das neue Windows scheute Microsoft sich nicht zwei Programmierer vor einen PC zu setzen. Der eine programmiert, der andere überwacht. Das soll ein Grund für die von der Presse bisher positiven Kommentare gegenüber Windows 7 und sorgt sicher auch für weniger Sicherheitslücken.
Was die FSF hier verschweigt, ist dass freie Software ebenfalls von Sicherheitslücken nur so tropft. Zahlreiche Foren und Serverprgramme zum Emailversand müssen regelmäßig aktualisiert werden. Gerade weil es populäre Programme gibt an denen auch keine professionellen Programmierer arbeiten, wird das sicher auch immer in etwa gleich bleiben. Nur die größten Programme sind etwas besser, aber auch diese müssen stetig aktualisiert werden. Beispiel Firefox 2 gibt es mehr als 10 Versionen die fast alle diverse Sicherheitslücken stopfen. Wieviele es noch gibt weiß leider keiner, weder die FSF noch Microsoft. Solche Probleme werden nicht allein durch freie Software eliminiert. Erst kürzlich gab es einen Fall in dem die Quellen eines Open Source Programms von dritten manipuliert waren, was erst relativ spät entdeckt wurde.
Fazit: Ich möchte hier nicht Microsoft in Schutz nehmen. Wichtig ist mir zu zeigen dass das große Problem die Monokultur Windows ist und diese nicht verbessert werden kann in dem man sie durch die Monokultur Linux ablöst. Leider schlägt die FSF aber genau in diese Kerbe, in dem sie so tut als wäre freie Software das einzig wahre. Es gibt ebensoviele gute freie wie kommerzielle Programme. Und wie alles was von Menschen erschaffen wurde, werden überall Fehler zu finden sein ;)