Glauben heißt, nicht wissen wollen

by Vash 16. September 2006 21:30

Anm. d. Admins: Artikel von Esper

Ich bin ja nun wirklich kein Experte was Glaube und Religion betrifft, aber, Herr im Himmel, wer ist das schon?

Etwas irritierend erscheint mir das ganze Trara um die jüngsten Aussprüche des geistlichen Oberhaupts der Katholiken aber. Da wird geschimpft und gezetert, so wie das immer ist, und die Frage, wer weswegen auf welche Art motzt interessiert dabei eigentlich gar nicht. Interessanter ist da schon die Frage, gegen wen da der Finger gehoben wird. Und noch viel interessanter ist doch, wer sich beschimpft fühlt und gegen wen dann zurückgeschimpft wird. Ob so ein Zurückschimpfen aus Sicht des Glaubens überhaupt gerechtfertigt, oder sagen wir, angemessen ist, sei jetzt mal dahingestellt.

Kurz und knapp: ich denke, hier offenbart sich doch mal wieder, dass im Grunde genommen keiner checkt, worum es eigentlich geht.

Jeder klar, nüchtern und vernünftig, vielleicht sogar logisch denkende Christ müsste sich in Momenten wie diesem doch eigentlich tatsächlich ans Bein gepinkelt fühlen. Da gibt es plötzlich Milliarden von aufgebrachten Anhängern eines anderen Glaubens, die offensichtlich abslut nicht kritikfähig sind und nichts besseres zu tun haben, als mit schlimmsten Konsequenzen zu drohen, sollte dieser Mann aus dem Vatikan es wagen, so was gemeines noch mal zu sagen, oder sich nicht für das Gesagte zu entschuldigen. Der Punkt dabei ist doch der: diese Radikalen drohen dabei genauso den Falschen, wie die auf der anderen Seite sich über die Falschen konter-aufregen. Denn irgendwie wird bei derlei Konflikten immer übersehen, was ohnehin nur in den Köpfen der wenigsten Christen bewusst erkannt wurde: Christentum und Kirche, das sind zwei Paar Stiefel.

Klar, es hat sich seit Jahrhunderten so in die Köpfe der Menschen gebrannt, die eben in den Wirkungskreis des Vatikan-Imperiums geboren wurden, dass man nun mal in die Kirche gehen muss, um zu Gott, Maria oder sonst wem zu beten, und dass man nur ins Paradies kommt, wenn man ein devotes Leben führt, sprich, der Kirche brav seinen Tribut zollt. Dass man aber auch locker und ungezwungen dem Christentum angehören kann, ohne dabei dieser Institution anzugehören, das geriet im Laufe der Zeit größtenteils in Vergessenheit. Heute wird man zunächst mal schief angekuckt, tritt man aus der Kirche aus, denn das grenzt ja an Blasphemie, damit entsagt man quasi Gott, das ist ja wie Verrat an der eigenen Existenz selbst! Und Christ ist man dann eh keiner mehr, zumindest kein echter, irgendwie.

Der Papst und der Vatikan glauben natürlich, sie glauben eine Art Monopol auf die Führungsposition im Christentum für sich in Anspruch nehmen zu dürfen. Die meisten Christen würden vermutlich sogar tatsächlich ein Verschwinden dieses Kontrollgewirks dem Untergang des Christentums gleichsetzen. Im Gegensatz zu denen sind es nur die paar Erleuchteten, die begriffen haben, wer der Übeltäter ist, der für all die Erbosten auf der anderen Seite verantwortlich zeichnet, die ihrerseits weit übers´s eigentliche Ziel hinaus schießen, anstatt sich auf den tatsächlichen Störfaktor zu konzentrieren, wenn´s denn schon unbedingt sein muss.

 

Von all dem mal ganz abgesehen, ist es nicht beeindruckend, mit welcher Intensität die Agenturen solche Nachrichtentrends auf die Menschen loszulassen pflegen? Nachrichtenagenturen, wem stellen sich bei diesem Unwort nicht die Nackenhaare auf? Wenn man sich ansieht, mit welch unglaublichem Druck diese Polarisierungen vor sich zu gehen scheinen, da stellt sich einem doch die Frage, ob es nicht gesünder wäre, sich nicht permanent diesem Bombardement von Nachrichten auszuliefern, denn dieser Stress kann auf Dauer nicht gut sein. Da wird einem vorgegaukelt, die ganze Welt würde einen missverstehen und laut brüllend und Fäuste schwingend zum Gegenangriff blasen. Aber so ist es eben nicht, es wird nur so dargestellt, denn so verkauft sich´s besser. Tatsächlich aber kümmern derartige Vorkommnisse praktisch niemanden, auf allen beteiligten Seiten. Nach ein paar Tagen Nachrichtenkonsum, ganz gleich in welchem Medium, kommt es aber fast jedem irgendwie so vor, als müsse man das alles schier persönlich nehmen. Allgemein akzeptierte Propaganda. Und wenn sich dann alle satt geärgert haben, steht sicher schon das nächste Medienwirksame Thema in den Startlöchern, das dazu taugt, die Massen bei Laune zu halten.

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Satire

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