Die große Politik-Show

by Vash 18. September 2006 03:13

Anm. d. Admins: Original Artikel von Esper

Schon wieder Wahl irgendwo.

Dass diese ganzen Gesichter, Darsteller in einer Show, die dafür sorgt, dass bloß keiner auf falsche Gedanken kommt, nur dem Zweck dienen, vom Wesentlichen abzulenken, und ohnehin nichts zu melden haben, das lässt sich doch schon anhand einfacher Überlegungen offenlegen.

Nehmen wir zum Beispiel das Thema Arbeitslosigkeit. Das ist das Argument schlechthin, sollten mal irgend wo irgend welche Neustrukturierungen im Raum stehen, die irgend eine Führungsebene sauer aufstoßen lässt, denn sobald einer den Finger hebt und „Arbeitsplätze“ wimmert, verstummen sofort alle beschämt und nichts ändert sich.

Dabei ist das vermeintliche Problem der Arbeitslosigkeit in Deutschland so einfach zu beseitigen, dass es schon sehr befremdlich erscheint, wenn die Beraterknallköpfe in den obersten offiziellen Regierungsmilieus offenbar nicht selbst so weit zu denken imstande sein sollen.

Man nehme sämtliche Fabrikbetriebe im Bundesgebiet und schaffe endlich das ohnehin willkürlich festgesetzte 8-Stunden-Schichtsystem ab, um es flächendeckend durch das 6-Stunden-Schichtsystem zu ersetzen. Das Resultat ist klar: jeder Betrieb benötigt umgehend eine komplette Schicht Arbeitskräfte mehr. Wie viele Arbeitsplätze würden so über Nacht entstehen? Und wie viele Arbeitssuchende gibt es angeblich? Na, wenn da mal nicht sogar Arbeitskräftemangel entsteht!

„Ja Moment, die Leute würden dann ja weniger verdienen! So kriegt man doch seine Stunden nicht voll!“, sagen viele. Man muss sich dieses eine Argument mal genau vor Augen führen: So kriegt man doch seine Stunden nicht voll! Dass damit nicht der Kampf gegen die alltägliche Langeweile angesprochen ist, sollte klar sein, aber wer um Himmels Willen will denn eigentlich in irgendeiner Form festlegen können dürfen, wie viele Stunden Fabrikarbeit tatsächlich „normal“ sind? Ich meine, wie viele Stunden waren denn vor, na, 80 Jahren die Norm? Und wie viele vor 140?

Gerade weil jeder vernünftige Mensch erkennen muss, dass die stetige Abnahme der Regelfabrikarbeitszeit im Laufe der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte keine im gleichen Umfang festzustellende Lohnminderung mit sich brachte und natürlich nicht dem Zweck diente, die Produktivität zu mindern, sondern vielmehr aus Gründen der Humanität, der Vernunft und der Zumutbarkeit durchgesetzt wurde, so sollte doch klar sein, dass dieser Prozess noch lange nicht seinen Höhepunkt erreicht haben darf. Denn welchen unglaublichen Effekt zwei Stunden mehr Freizeit pro Tag auf das Gemüt, und damit auf die Arbeitsmoral und so in letzter Instanz auf die Arbeitsqualität eines Fabrikarbeiters machen würden, das kann sich jeder lebhaft vorstellen, der schon mal, wenn auch vielleicht nur für ein paar Wochen, Schichtarbeit am Fließband verrichten musste.

Und doch, darum geht es hier gar nicht.

Hier geht es darum, dass ein Arbeiter selbstverständlich auch den gleichen Lohn beziehen kann, obwohl ihm wöchentlich zehn Stunden mehr Zeit zu leben zugesprochen werden.

Wie viel bekommt so ein Arbeiter für zwei Stunden am Ende raus, 13 Euro, 15? So um den Dreh wohl in etwa. Vielleicht weniger. Das wären dann also etwa 280 Euro im Monat, die pro Arbeiter ausgeglichen werden müssten. Natürlich bräuchten die Betriebe nicht selbst für diesen Ausgleich aufkommen. Für sie bliebe alles beim Alten, der Tag hat 24 Stunden, und es werden 24 Stunden Lohn ausgezahlt.

Nein, die Differenz würde der Staat übernehmen. Und da der ja keinerlei Arbeitslosengeld-Ausgaben mehr hat würde er sich unter diesen Umständen sogar noch eine ganz schöne Summe sparen, zusätzlich zur Sozialhilfe, die er sich ja ebenfalls praktisch völlig sparen könnte. Angeblich gibt´s in der Bundesrepublik momentan so um die 5 Millionen Arbeitslose. Man kann sich ausrechnen, welch enormen Betrag sich die Regierung monatlich einsparen würde, und das zusätzlich zu dem doch erheblichen moralischen Wert, der dem Gedanken „es gibt keine Arbeitslosigkeit mehr“ anhaftet.

Aber hier ist noch nicht Schluss! Man muss sich ja noch Folgendes überlegen: wie viele Fabrikarbeiter gäbe es denn in Deutschland dann insgesamt? Hmm, zusammen mit den Ex-Arbeitslosen wären das wohl so um die 13 Millionen Menschen, die sich tagtäglich zwei Stunden länger außerhalb ihres Arbeitsbetriebes aufhalten würden. Das sind 26.000.000 Mannstunden pro Tag (!), in denen zusätzlich konsumiert wird. Also 520.000.000 Stunden mehr Zeit pro Monat (die Wochenenden zählen ja nicht), in denen die Menschen mit dem Auto rumfahren, zum Essen gehen oder Ausflüge machen, doch noch die Zeit für einen Kinobesuch aufbringen können, im Internet surfen oder mit Freunden einen Saufen gehen, telefonieren und und und…

Wie viel Geld würden die Menschen wohl in der zusätzlichen Zeit pro Monat ausgeben? Das sind mehr als 1 Million Tage, die praktisch täglich dazukommen, also mehr als 3.000 Jahre pro Tag!

Und das alles als Bonus zur Abschaffung der Arbeitslosigkeit, als Bonbon zu einer Arbeitspolitik, die gar nicht in eine andere Richtung wirken kann, als Richtung Zufriedenheit der Arbeiterschaft.

Kurzum, es wäre plötzlich viel mehr Geld da, den der Staat sinnlos verschwenden könnte, und vor allem wären die Menschen glücklicher. Und eigentlich sollte das allein schon als wichtigster Grund gelten, die 6-Stunden-Schicht flächendeckend einzuführen. Aber wir wissen ja, das nur wirtschaftliche Argumente zählen, traurig traurig…

Diese Überlegung allein demonstriert doch schon gut genug, dass das, was dem Volk als „Politik“ verkauft wird, nur oberflächliches Unterhaltungsgeschmarre sein kann. Denn zu derartigen logischen Gedankengängen sollen also angeblich die Marionetten-Beraterknallköpfe in den oberen Regierungskreisen nicht imstande sein? Da lach´ ich doch!

Tags:

Satire

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