by Vash
6. März 2007 22:33
nichts wissen macht auch nichts. Das wissen die Blogstipendiaten der Süddeutschen Zeitung. Ja richtig - das südlich des Weißwurstäquators bekannte Revolverblatt gibt sich jung und innovativ. Seitdem dies mit der Klopapierbeilage "von gestern" nicht mehr so klappt, sind sie angesagt, die Blogs von morgen, ich meine heute - also jetzt!
Damit unsere Leser auch informiert sind was in der Blogosphäre also als geistig wertvoll, kulturell von Interesse und sonst überhaupt einfach nur trendy ist und als solches erachtet wird, haben wir Euch die aktuellen Ikonen der Blogosphäre vorgestellt. Wie schön dass diese bereits von der SZ/Jezt gefunden wurden und wir einfache und automatisierte Psychogramme aus den bereits veröffentlichen Ergüsse der aktuellen Stipendiaten erstellen können.
Walter Wacht zum Beispiel berichtet über "Popkultur und Indie-Muckertum". Nachdem diese beiden Fremdwörter eigentlich einer Erklärung bedurften, lassen wir es aber dabei - ganz getrost dem journalistischen Spürsinn des Blogstipendiaten. Das erste Foto "Pop auf Stapeln" erinnert an einen Freudschen Versprecher - gemeint könnte auch die Leistung sein dass man Scheiße, äh Pop, ja eigentlich gar nicht so hoch stapeln kann wie auf dem Foto zu sehen. Desweiteren gibt es die üblichen YouTube-Verdächtigen.
Ganz anders reiht sich der Stipendiat Jackpot Baby! in die Götter der jetzt-Blog-Redaktion ein. Er versucht bereits auf der ersten Seite die Leser mit einem Text zu überfordern dessen Umfang beinahe den einer halben DINA4 Seite erreicht. Und wer bei der beschränkten Bluetooth Werbeidee noch nicht eingeschlafen ist, der kann spätestens im letzten Absatz die nekrophile Leidenschaft des Bloggers bestaunen. Von so viel geistigem Überfluss erschrocken klicken wir fünf mal bis wir beim ersten Bild hängen bleiben ... Scheiße ... diesmal ohne Stapel.
Der Blogger Nilzenburger hält einen Kommentar des Tages für uns parat. Leider nur für den 6. März 2007. Die anderen Tage hat er einfach vergessen. Wahrscheinlich war er damit beschäftigt sich Lobhudeleien für die bisher und weiterhin nicht genannte Ausgabe eines (wie wir nach mehrminütiger Recherche herausfanden) Musikmagazins aus den Fingern zu saugen. Kurz und gut: wenn ich mein Identitätsproblem auf das Editorial einer Zeitschrift übertragen würde, wäre ich wahrscheinlich auch Blogstipendiat. Weiterhin kommt ein Kreuzfeuer von kurzen nichtssagenden und langen auchnichtssagenden Kommentaren - gekrönt von einem Playstation-Brei-Ejakulat - was dass nun mit Weltfrieden zu tun hat? "Make Cash, not War" natürlich!
Für "Bürgerrechte und Freiheit[sic!] im digitalen Zeitalter" setzt sich Markus Backedahl ein. Leider wird man hier zunächst in eigener Sache umworben. Ha, wir brauchen also doch kein Bluetooth um für Veranstaltungen drittklassiger Computer Clubs zu werben. Und auch nicht um zu wissen das Markus Entwickler/-innen sucht - vermutlich um mit newthinking mal so richtig abzutauchen. Ansonsten gemischte Nachrichten die man besser gefiltert auf jeder x-beliebigen Newsseite oder Bild bekommt. Wo bleibt mein Recht auf informelle Selbstbestimmung? Beim latent einseitigen Blog von Herrn Backedahl ist es sicherlich nicht - erst recht nicht in dem Beitrag in dem er von dem UN Spiel berichtet in dem man höchstpersönlich die Klimakatastrophe herbeiführen kann. Zu doof dass diese Idee nun schon im ersten SimCity vor beinahe zwei Jahrzehnten möglich war, und das ganz ohne UN-Resolution. Neu ist das nicht.
Mittlerweile verwundert es nicht wenn Herr Rose Jakobs " schlaflos und immer wachsam in Köln" verweilt und dabei erzählt wie er sich dann getreu seinem Motto doch noch nach Düsseldorf verirrt. Ich hoffe der Junge hat sich keine Vorsätze fürs neue Jahr vorgenommen. Die waren zum Scheitern verurteilt bevor sie überhaupt gefasst wurden. Das bei schlechten Vorsätzen und Schlaflosigkeit die Lange Weile nicht lange weg bleibt, ist nicht verwunderlich. Dies sei auch der Grund für einen Raverdrink. Wieso haben Raver lange Weile? Kann eigentlich nur an der Musik liegen, Drogen haben sie ja genug. Was auch die folgenden Text- und Bilderschnipsel erklären könnte, die möglicherweise dem "Rise and Fall" eines Konsumenten entspricht: Kurzzeitiges Genie und längerwährender Irrwitz reichen sich die Hand und vergraulen den Betrachter bevor er zu Ende denken kann.
Fazit: Liebe SZ! Falls ihr demnächst über Einsparungen und Outsourcing nachdenken solltet, hätte ich da einen heißen Tip. Was? Das verrate ich euch doch nicht, nicht hier. Aber schreibt einfach mal hier ein Kommentar - wir kommen sicher ins Geschäft.