"Ich plane einen Amoklauf"...

by Vash 7. Dezember 2007 19:54

... ist der Satz der in Deutschland aktuell (und wahrscheinlich auch in einiger Zukunft) einiges an Brisanz beinhaltet. Doch nur warum?

Nein, nicht weil ich so etwas unsinniges tun würde, obwohl ich allen Grund dazu hätte. Mir wurde jahrelang in der Schule vorgehalten wie man "richtiges" Deutsch schreibt und formuliert. Das am Ende ein paar bemitleidenswerte Jugendliche die Ehre haben, durch Ihre Taten die Medien derart zu beherrschen, dass sich keiner am Paradoxon eines geplanten Amoklaufs stört, nervt.

Wer das nicht versteht soll doch mal versuchen die Wörter "geplant" und "spontan" zum Beschreiben einer beliebigen Handlung einsetzen - und zwar zugleich. Die absurde, aber immerhin stetige, Wiederholung dieser sprachlichen Missbildung müsste doch eigentlich Anlass für eine Grammatikreform sein.

Zur Erläuterung: Amoklaufen wird im allgemeinen als eine Art "plötzlicher Wutausbruch" ohne "Vorwarnung" beschrieben, dessen Ursache nicht immer klar sein muss. Zum Beispiel erwischt der Ehemann seine Frau mit einem Liebhaber. Er wird über diese Situation recht selten erfreut sein. Bringt er aber daraufhin seine Frau, den Liebhaber und/oder die Nachbarn ums Leben ist diese Reaktion in der Regel nicht vorhersehbar, tritt also spontan auf.

Die "school shootings" - wie man sie in den USA bezeichnet - haben aber alle gemeinsam: Sie wurden vorbereitet, teilweise sogar vorher angedroht. Die Medien kommen immer wieder darauf weitere Eigenschaften zu beschreiben: Die Täter waren neben ihren (zwar uneindeutigen aber dennoch abnormen Verhalten) auffällig unauffällig:

  • Sie interessieren sich für Waffen. Das tut eigentlich jedes Kind das Räuber und Gendarm spielt - so sind die Hälfte aller Spielzeuge (ungefährliche) Waffensymbole: Pistolen, Handschellen, Schwerter, Nudelhölzer.
  • Sie spielen gewaltverherrlichende Computerspiele. Gewalt "verherrlichende" Spiele habe ich zwar selber noch nicht gesehen - dafür Gewalt darstellende Spiele. Das ist aber nichts neues, jedes zweite Buch ist davon durchdrungen, allen voran die Bibel.
  • Sie sind Außenseiter. Das sind viele von uns. Manche haben kein Geld, andere keine Freunde, andere zahlen keine Steuern, aber in der Regel suchen wir uns kleine Ecken in denen wir die Helden sind und Anklang in unserer Umgebung finden.
  • Sie konsumierten Brot und Wasser ...

Nun meine Interpretation was die "school shooter" eigentlich sind. Sie sind depressive, lebensunwillige, selbstsüchtige kleine Terroristen, die ihren Selbstmord (den ansonsten niemanden wirklich interessieren würde) mit einem großen Knall in eine Art Kultstatus hieven wollen. Was sie - dank der Medien und Politiker, die eine wohlklingende Interpretation eines geplanten Amoklaufs verbreiten - wohl in einer gewissen, aber abzulehnenden Form auch geschafft haben.

Tags: ,

Satire

Kommentare sind geschlossen

Powered by BlogEngine.NET 1.5.0.7
Theme by Mads Kristensen


Die von mir erstellten Inhalte des Blogs unterliegen, sofern nicht anders vermerkt, der Creative Commons-Lizenz. Eine Ausnahme bilden alle verlinkten Medien die nicht durch mich erstellt wurden und ggf. nur verlinkt wurden. Falls Sie nicht sicher sind ob Sie das Bild nutzen dürfen, erreichen Sie mich über das Kontaktformular.

Creative Commons License

Sofern Sie Ihre Persönlichkeitsrechte oder Urheberrechte durch eines der verlinkten Medien verletzt fühlen, setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung.

Falls Sie eines der Medien in besserer Qualität benötigten, schreiben Sie mich bitte direkt an. Sie möchten noch mehr über mich wissen? Dann besuchen Sie die Homepage von Alexander Schwoch.