Twitter - eine Abrechnung

by Vash 1. Juli 2009 22:05

Abrechnung? Nein, das muss nicht immer negativ gemeint sein - ich versuche mich hier mal an objektiver Kritik. Gerade durch den Iran ist Twitter ja durch die Medien gegeistert und auch ich habe erst kürzlich den Zugang dorthin gefunden. Im folgenden ein paar flüchtige Eindrücke.

Vielleicht erst mal zu ein paar Typen von Menschen die man dort trifft. Neben dem dass alle (aktiven) Nutzer irgendwie Internetaffin sind, findet man doch recht unterschiedliche "Twitterer". Die einen erzählen hauptsächlich aus ihrem Leben, wobei das doch die Minderheit zu sein scheint. Welcher normale Mensch will auch Tweets lesen die überspitzt gesagt auf einem Niveau von "ich sitz aufm Klo" handeln.

Ein Großteil an Nutzern beginnt vielleicht damit, aber sie fangen an zu kommunizieren und über teilweise interessante Begebenheiten zu berichten. Typischerweise werden Berichte häufig mit einem Link begleitet wo man auf Blogeinträge und Newsartikel stößt, welche fleißig ausgetauscht werden sich teilweise auch oft wiederholen. Will man seine Empfehlung publik machen, dann wiederholt man bereits zuvor verfasste Einträge einfach, das nennt sich dann "Retweet". Ob das nun Politik oder nur eine Restaurantempfehlung betrifft ist dabei egal denn Themen gibt es zu Hauf.

Daneben existieren noch Unternehmen die Werbung machen. Abonniert man diese wird man mit mehr oder weniger sinnvollen Tweets zugebombt, die meiner Meinung nach besser in einem RSS-Feed untergebracht sind, denn die Mitteilungen über neue Artikel mischt sich einfach zu stark mit dem anderen Tweets, die ja das soziale Netzwerk ausmachen. Neben dem findet man auch Fachleute die indirekt Werbung machen und zwar Twittern diese hauptsächlich über das Thema ihrer Arbeit. Dies hat - sollte man die gleiche Interesse haben - auch tatsächlich manchmal Mehrwert und dient dem Werbenden somit als Zurschaustellung seines Wissens oder Engagements. Ein angenehme Form der Werbung, wie ich finde. Diese wird aber überwiegend von Selbständigen oder kleinen Firmen genutzt.

Ein wenig zur Nutzung von Twitter selbst. Ich habe ca. 30 "Follower" oder z. dt. Folgende (das sind diejenigen die meine Tweets abonniert haben) und "followe", also folge, etwa ebenso vielen. Das allein produziert schon eine Menge an Tweets unterschiedlichster Themen und Qualitäten. Ich weiß nicht wie man das mit 30000 solcher Followern aushalten kann. Hier merkt man: Die Anzahl der Abonnements, die ja für jeden sichtbar sind, sind für manche zu einem "Meiner ist größer als Deiner ... " geworden. Denn wer sich wirklich qualitativ für die Aussagen so vieler Leute interessiert, der tut sich einfacher wenn er die Suchfunktion benutzen würde um sich ein paar Themen zu speichern und diese dann nachzulesen. Ist ja alles öffentlich, wozu also diese Abonnements? Ich denke von den 30 Leuten denen ich Followe, da kann ich 20 getrost wieder herausnehmen ohne sie zu vermissen. Sorry Leute, nehmt das nicht persönlich, es ist nur so :-)

Andererseits ermöglicht Twitter eine Art permanenten Chat aufzubauen. Twitter ist ein einziger, riesiger Chatroom den man relativ gut nach bestimmten Nachrichten filtern kann. Drei Viertel der wirklich wichtigen Nachrichten erfahre ich meistens aber eher über klassische Quellen - in erster Linie weil Spiegel Online, Heise und mein Mailprogramm einfach vor Twitter offen sind. Danach erst kommt übrigens erst das klassische Fernsehen. Dieser permanente Chat ist sehr reizvoll, man ist nicht zu ständiger Anwesenheit gezwungen - stetige Abwesenheit ist aber auch tödlich. Wer will schon mit jemandem twittern der nur einmal in der Woche antwortet? Dafür ist die Twitter-Welt zu schnelllebig und man liest zu viele Nachrichten von anderen Menschen. Selbst ein paar Stunden alte Antworten sind schon kalter Kaffee - nachdem die Printmagazine schon ein Aktualitätsproblem haben, kommt nun (nicht allein, aber ein wenig) auch durch Twitter das Fernsehen zunehmend unter Druck, was die Aktualität betrifft.

Ich persönlich suchte mir die Medien in der Vergangenheit selbst aus, oder ich begann das Surfen im Netz von mir bekannten Foren und Portalen aus. Twitter stellt für den lesenden Menschen durchaus eine Bereicherung dar, da die Themen viel näher zusammen zu liegen scheinen, als im Netz selbst. Für den publizierenden Menschen, ist Twitter ein wenig Selbstdarstellung und ein wenig Werbung. Es gibt einem das Gefühl wahrgenommen zu werden. Das wird bei einigen Menschen einen Suchtfaktor erzeugen, den ich durchaus auch verspürt hatte. Mal eben schnell eine Frage auf Twitter gestellt, oder auch einfach Frust über den verpatzten Feierabend veröffentlicht. Aber auch mal Links ausgetauscht, ein paar (politisch) andersgläubige angestachelt, etwas diskutiert. Auf dem Handy begleitet Twitter jemanden den ganzen Tag wenn man will. Für mich in Zukunft: ein Zeitvertreib oder Recherchemöglichkeit - aber als Ersatz für "klassische" Netzwerke wie Foren oder Email finde ich es ungeeignet. Den Anspruch hat es aber auch gar nicht

Tags: ,

Winzigweich

Kommentare sind geschlossen

Powered by BlogEngine.NET 1.5.0.7
Theme by Mads Kristensen


Die von mir erstellten Inhalte des Blogs unterliegen, sofern nicht anders vermerkt, der Creative Commons-Lizenz. Eine Ausnahme bilden alle verlinkten Medien die nicht durch mich erstellt wurden und ggf. nur verlinkt wurden. Falls Sie nicht sicher sind ob Sie das Bild nutzen dürfen, erreichen Sie mich über das Kontaktformular.

Creative Commons License

Sofern Sie Ihre Persönlichkeitsrechte oder Urheberrechte durch eines der verlinkten Medien verletzt fühlen, setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung.

Falls Sie eines der Medien in besserer Qualität benötigten, schreiben Sie mich bitte direkt an. Sie möchten noch mehr über mich wissen? Dann besuchen Sie die Homepage von Alexander Schwoch.