Mut zur Häßlichkeit

by Vash 12. Juli 2009 11:53

Der Spiegel fordert, dass das Kino dringend mehr Sex bräuchte. Ich sehe das nicht so. Falls tatsächlich Sex im Kino fehlen sollte, dann bedeutet es, dass heutzutage keine Nachfrage nach Sex in Filmen existiert. Wäre dem wirklich so, dann würde sich doch der Markt durchsetzen und nicht die Sittenwächter in den USA. Ich vermute es liegt einfach daran, dass man von zu Hause aus, auf DVD und noch besser aus dem Internet regelrecht mit Sex überflutet wird. Pornoseiten sind nur einen Klick weit entfernt. Und die Erzählung eines Films kommt in der Regel auch ohne explizite Darstellung von Liebesszenen aus. Im Gegenteil, es fördert die Handlung denn die Zeit im Film ist knapp und eine erotische Darstellung würde, außer in einem Liebesfilm doch nur eher ablenken.

Ein anderes Problem ist doch seit es Fernsehen und Kino gibt viel dringender: Es gibt dort nur schöne Menschen zu sehen. Von den Orcs im Herren der Ringe oder den wandelnden Leichen in diversen Horrorfilmen mal abgesehen: die Darsteller sind überwiegend von unserem Schönheitsideal geprägt. Schöne Frauen. Schöne Männer. Kriminelle tragen schwarz, die Guten tragen weiß. Schön und makellos sind sie alle. Etwaige körperliche Unterschiede werden zu Gunsten der Schönheit retuschiert.

Die Geschmacksspielräume zwischen Bohnenstange und Vollbusig werden durchaus bedient, von Keira Knightley bis Angelina Jolie, aber echte, nicht perfekte Menschen wird man nicht finden. Dabei ist die Realität doch das krasse Gegenteil. Die Menschen unserer Umwelt sind überwiegend mit Makeln behaftet. Sie müssen ja nicht gleich abstoßend sein, aber das was uns als Schönheit im Fernsehen vorgegaukelt wird, ist unnatürlich, schon nahezu widerlich unnatürlich. Eben genau so unnatürlich dass es geradezu auffällt wenn man darauf achtet.

Da ist eine Forderung nach mehr Sex ja geradezu lächerlich, wenn man bedenkt, dass man doch nur einer Oscarverleihung zusehen muss, um die meisten Stars und Sternchen mal fast nackt zu sehen. Ist das nicht mehr als genug medialer Sex den ein Mensch im Jahr verkraften kann?

PS: ich gehe natürlich trotzdem noch gerne ins Kino, aber die depperte Forderung von Spiegel Online musste einfach mal so kommentiert werden.

 

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Sozialkritik

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